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Andi
07.09.2003, 08:48
"Ich könnte nie 90 Minuten ruhig auf der Bank sitzen! "


Er kam, sah und führte Austria Lustenau auf Platz eins der Tabelle. Andi Heraf (35) ist der neue Trainer-Shootingstar in Vorarlberg. Der NEUE verriet er sein Erfolgsgeheimnis.


VON DIETMAR HOFER

NEUE: Im Austria-Forum schreibt ein Fan, dass er sich jeden Tag die Tabelle der RedZac-Liga anschaut und darauf hofft, dass sie auch nach 36 Runden gleich aussehen wird wie jetzt. Wird sie das?
Andi Heraf: Es wäre natürlich sehr schön. Aber die Austria ist nach wie vor nicht der große Meisterschaftsfavorit. Das sind Untersiebenbrunn und Ried. Wir sind bis jetzt für unsere gute und konsequente Arbeit entsprechend belohnt worden. Aber wir stehen verdient da oben.

Durch die Tabellenführung ist auch die Erwartungshaltung höher geworden. Einige träumen bereits vom Aufstieg. Wächst da der Druck auf den Trainer?
Für mich wird jene Mannschaft Meister, die am konstantesten spielt. Bis jetzt war das die Austria. Die Tabellenführung ist sicher keine Belastung. Sie ist im derzeitgen Stadium auch nicht so wichtig. Es sind erst acht Runden gespielt. Aber ich weiß jetzt, dass meine Philosophie absolut richtig ist. Es hat mich vielleicht ein wenig überrascht, dass mein System so schnell greift.

Hast du Angst davor, dass die junge Mannschaft einmal in ein "Loch" fällt?
Wir werden Spiele verlieren – gar keine Frage. Aber sollen wir deswegen gleich die große Krise heraufbeschwören? Solange es läuft, macht es nicht viel Sinn, sich über irgendwelche anderen Szenarien den Kopf zu zerbrechen. Wenn es nicht mehr so gut klappt, werde ich mir entsprechende Dinge überlegen.

Was macht den Erfolgstrainer Andi Heraf aus?
Ich bin ein strenger Trainer, der viel Wert auf Disziplin legt. Aber ich bin auch einer, der die Zügel schon mal schleifen lässt, den Spielern viel Freiraum gibt. Jeder übt seinen Beruf aus, weil er sich darin verwirklichen will. Bei Fußballern ist dies nicht anders. Sie müssen mit Freude an der Sache sein, sollen dies auf dem Platz auch ausleben.

Wie verschafft sich ein junger Trainer den notwendigen Respekt?
In dem dich die Mannschaft von Anfang an akzeptiert. Ich bin kein leerer Geschichtenerzähler, sondern ein Fachmann, der seinen Job versteht. Das spüren auch die Spieler – aber bei aller Lockerheit, müssen sie auch merken, dass der Coach in gewissen Dingen keinen Spaß versteht.

Du bist privat ein sehr ruhiger Mensch, auf der Trainerbank aber sehr impulsiv. Brauchst du diese innere Spannung?
Ich könnte niemals 90 Minuten ruhig auf der Bank sitzen bleiben. Fußball ist ein Sport, wo man von der ersten bis zur letzten Sekunde hellwach sein muss. Das gilt auch für den Trainer. Es gibt in jedem Spiel Phasen, wo man sein Team wachrütteln muss. Wenn ich also in das Spielfeld hineinschreie, ist das wie eine Art Weckruf. Die Spieler verstehen das auch.

Du verkörperst die neue junge erfolgshungrige Trainergeneration in Österreich. Wo muss diese neue Generation den Hebel ansetzen, um den heimischen Fußball wieder auf Vordermann zu bringen?
In Österreich können nur wenige im hohen Tempo technisch perfekten Fußball spielen. Da hinken wir in Europa hinterher. Österreich hat sich zu lange an Deutschland orientiert und zu viel Wert auf Kondition und Ausdauer gelegt.
Auch im taktischen Bereich gibt es Mängel. Um gewisse Defi zite auszugleichen, muss sich ein Trainer eine spezielle Strategie überlegen, wie er einen Gegner besiegen kann. Nur so kann man sich einen Vorsprung erarbeiten. Walter Schachner macht das derzeit mit dem GAK vor. Er war übrigens der einzige Trainer in meiner aktiven Zeit, der auf Strategie einen besonderen Wert gelegt hat. Auch wenn ich persönlich mit Schachner nicht
gut auskaum, habe ich in dieser Hinsicht von ihm viel gelernt.