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11.04.2011, 16:47
Leopold Hawelka, der vielleicht berühmteste Cafetier Österreichs, feiert heute, am Montag, den 11. April 2011 seinen 100. Geburtstag.

Wiens ältester Chef: Cafetier Leopold Hawelka wird 100

Zum Jubiläum eine Melange mit sehr viel Milch: Leopold Hawelka, der berühmteste Cafetier des Landes, wird am Montag 100 Jahre alt. Zu Besuch bei einer echten Legende, in einem Haus voll Geschichte(n).

Auf den Tag genau ein Jahr ist es her, da saß der Mann, der stets Sakko und Fliege trägt, an exakt jenem Tisch, an dem er auch heute sitzen wird. Gleich neben der Schank. Und der Herr Ober wird ihm unaufgefordert eine Melange bringen. Mit sehr viel Milch. Und eine Mehlspeis'. Der Unterschied zum Vorjahr: Vor einem Jahr feierte Leopold Hawelka seinen 99., heute seinen 100. Geburtstag. Und vor einem Jahr gab er sich auch noch recht kämpferisch: "In meinem Lokal wird immer g'raucht werden. Oder zumindest, so lang ich leb'."

Leopold Hawelka lebt immer noch, geraucht wird aber nicht mehr im weltberühmten "Café Hawelka" in der Dorotheergasse im 1. Bezirk in Wien. Das hat den Vorteil, dass sich der warme Duft nach der echten Vanillesoße, die zu den legendären Buchteln gereicht wird, nicht mehr mühsam durchsetzen muss in einer von Rauch geschwängerten Luft. Aber wenn der Chef dem Kaffeehaus den immer noch täglichen Besuch abstattet - "weil", wie er sagt, "ohne Chef geht's ja nicht" - und sich wundert, dass auf den alten Marmortischen keine Aschenbecher stehen, stellen die Ober kurz welche auf.

Ein Leben fürs Café

14 Jahre war er alt, da zog es den Weinviertler Schustersohn in die Stadt. Im "Dreierl" lernte er das Handwerk der Gastronomie und Josefine, seine spätere und 2005 verstorbene Frau, kennen. Einen Tag nach der Hochzeit im Jahr 1936 sperrten die beiden das "Alt Wien" in der Bäckerstraße auf, 1939 das heruntergekommene "Café Ludwig", davor eine Bar, und nannten es "Hawelka".

Wenngleich das junge (Kaffeehaus-)Glück nur kurz währte. Er wurde in den Krieg eingezogen, sie sperrte wieder zu. Bis 1945. Aber da er und auch das Lokal, von einer zerbrochenen Scheibe abgesehen, die Zeit der Bomben unversehrt überstanden hatten, braute man bald wieder Kaffee. Und als die Alliierten 1955 die Stadt verließen, etablierte sich das Lokal als Künstlertreff.
Ein Haus mit Geschichte(n)

Hier saßen und redeten und lachten und tranken Heimito von Doderer und Friedrich Torberg, Hilde Spiel und Hans Weigel. Später Leute wie H. C. Artmann oder die Schauspieler Oskar Werner und Helmut Qualtinger. Und Maler. Hausner, Fuchs, Hundertwasser ... "Ich hab' auch gemalt", sagt Hawelka. "Und den malenden Gästen hab' ich Bilder abgekauft. Oft nur um ein Essen und ein paar Kaffee." Und so nennt er heute eine sehr stolze Sammlung sein Eigen. Und was sagt er zum runden Geburtstag? "Das ist schön." Er sagt es leise. Und lächelt.

http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/chronik/2718778/wiens-aeltester-chef-cafetier-leopold-hawelka-100.story

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100. Geburtstag: Feier ohne Leopold Hawelka

Ohne den Jubilar hat heute im Cafe Hawelka die Feier von Leopold Hawelkas 100. Geburtstag stattgefunden. "Es geht ihm heute nicht sehr gut", so Enkel Michael. Die Verwandtschaft nahm die Gratulationen entgegen.

Geschenke und Geschichten
Der Goldene Rathausmann aus den Händen von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ), eine Hawelka-Sonderbriefmarke der Post, die "goldene Kaffeekanne" der Wirtschaftskammer Wien: Der nicht anwesende Jubilar wurde mit Geschenken überhäuft.

Mailath-Pokorny erzählte davon, im Hawelka Schule geschwänzt zu haben: Er habe sich in dem Cafe vor seinem Mathematikprofessor versteckt, der allerdings Stammgast im Hawelka war.

Joesi Prokopetz erinnerte an seinen früheren Stammplatz "beim Häusl" und raunzte über das Rauchverbot. Dompfarrer Toni Faber, der die Wiener Gemütlichkeit im Hawelka lobte, war sich sicher, dass seine Gebete den Jubilar erreichen. Rudi Dolezal versicherte, wie glücklich Stars wie Frank Zappa oder Freddie Mercury als Gäste im Hawelka waren.

Täglich zwei bis drei Stunden im Hawelka
"Er hat immer noch seine 20-Stunden-Woche", schmunzelte Enkel Michael Hawelka. Gemeinsam mit seinem Bruder Amir führt er inzwischen die legendäre Institution. Als Geburtstagsgeschenk für den Opa ließ das Geschäftsführerduo eigene Leopold-Hawelka-Tassen anfertigen.

Die "Jubiläumshäferl" sind weiß und mit Hawelkas Unterschrift bedruckt. "Wir haben einmal 500 Stück machen lassen, damit sollten wir die nächsten zwei bis drei Jahre auskommen", so Michael Hawelka. Zum Kauf wird es die Geburtstagstassen vorerst nicht geben. Allerdings werden die Gäste ihre Melange demnächst daraus schlürfen.

Kaffee lässt sich auch der Hausherr noch regelmäßig im Hawelka servieren. Zwei bis drei Stunden sitzt der Cafetier an fast jedem Vormittag in seinem weit über Wiens Grenzen hinaus bekannten Lokal. "Er ist immer noch unser Generaldirektor. Wenn er im Haus ist, ist er der Chef", so der Enkel.

"Wohnzimmer" für Avantgardeszene
Eröffnet hatte der am 11. April 1911 geborene Leopold Hawelka sein Cafe in der Dorotheergasse im ersten Bezirk im Jahr 1939 gemeinsam mit seiner inzwischen verstorbenen Frau Josefine.

Ab den 1960er Jahren etablierte sich das nicht einmal 100 Quadratmeter große Kaffeehaus zum Künstlertreff der heimischen Avantgarde. Protagonisten wie Helmut Qualtinger, Oskar Werner und Friedensreich Hundertwasser diente es als Arbeits- und Wohnzimmerersatz.

Ab 1975 wurde dann das Kaffeehaus - sozusagen - international bekannt gemacht durch Georg Danzers Lied "Jö schau, ...".

Hausherr schreibt Touristen Autogramme
Das Interieur ist seit Jahrzehnten unverändert. Die Kreativszene verdrängten jedoch zum großen Teil Touristen, denen der Hausherr immer noch Autogramme gibt.

Dank des Tabakgesetzes sind auch Rauchschwaden inzwischen Geschichte. Der Jubilar dürfte sich damit noch nicht abgefunden haben. Nach wie vor gebe er den Kellnern Anweisungen, Aschenbecher auf die Tische zu stellen.

Buchteln sind Hawelkas Leibspeise
Rauchen und andere Laster hatte der Alt-Cafetier Zeit seines Lebens keine - das dürfte das Geheimnis seines langes Lebens sein. Nur die Schwäche für Süßigkeiten gibt der Seniorchef zu. Die hauseigenen Buchteln gehörten zu seinen Lieblingsspeisen, wie er selbst bekannte.

Die Mehlspeise aus dem Hause Hawelka brachte es im Laufe der Jahrzehnte ebenfalls zum Legendenstatus. Bis zu ihrem Tod im Jahr 2005 schob Leopolds Gattin Josefine den gefüllten Germteig selbst in den Ofen. Seither kümmert sich Sohn Günter - gelernter Konditor und ebenfalls bereits im Pensionsalter - um das begehrte Backwerk.

Kunstmappe zum Jubiläum
Aufgrund des feierlichen Anlasses erscheint Mitte Mai eine auf 30 Stück limitierte Kunstmappe, die Radierungen deutscher und österreichischer Künstler zum Thema "Cafe Hawelka" versammelt. Vorgestellt wird die Publikation, die auch einen kulturhistorischen Text von Koherausgeber Oliver Bentz enthält, am 11. Mai in den Räumlichkeiten des Traditionsbetriebs.

http://wien.orf.at/stories/508307/
http://www.hawelka.at/

Herzliche Gratulation zum 100er, Herr Hawelka.

Tom
11.04.2011, 17:16
Werde ich nie vergessen August 99, war im Ass-Einsatz im Burgenland, an einem freien Tag zog es 9 Soldaten nach Wien u.a. ins Kaffee Hawelka. Die Chefin zu uns "Jungs zieht's die scheußlichen Kappn ab und setzt euch zu mir her. Nach zwei Stunde Geschichte und je 6 Melonge ging es wieder zurück an die Grenze.

homepagix
11.04.2011, 17:53
Werde ich nie vergessen August 99, war im Ass-Einsatz im Burgenland, an einem freien Tag zog es 9 Soldaten nach Wien u.a. ins Kaffee Hawelka. Die Chefin zu uns "Jungs zieht's die scheußlichen Kappn ab und setzt euch zu mir her. Nach zwei Stunden Geschichte und je 6 Melange ging es wieder zurück an die Grenze.

Josefine, Leopold Hawelka und ihr weltberühmtes Café, das nach ihnen benannt ist, sind positive Symbole für all das, was Wien lebens- und liebenswert macht. Da treten selbst der Fußball und Rapid in den Hintergrund, in Anbetracht dieses wichtigen Ereignisses, dem 100. Geburtstag des Herrn Hawelka. Vor diesem wundervollen Menschen, seiner 2005 verstorbenen Gattin Josefina und ihrem gemeinsamen Lebenswerk mit der weltberühmten Gastfreundschaft im Künstler- und Literatencafé Hawelka, kann man sich nur in Ehrfurcht verneigen.

Hier ein Hörbild von Ö1 mit Josefine und Leopold Hawelka: http://oe1.orf.at/programm/271659